🇵🇰 Tag 6: 200 Essen für ein Sklavencamp
- Patrick Legun

- 7. März
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 21. Apr.
Unsere Reise neigt sich dem Ende zu. Für uns war früh klar, dass wir nicht einfach abreisen wollen, ohne etwas zurückzugeben.
Also bitten wir unsere lokalen Begleiter, für ein gesamtes Sklavencamp Essen zu organisieren.
Heute ist der Tag, an dem wir es verteilen.

Ein Empfang, mit dem wir nicht gerechnet haben
In meiner Vorstellung war der Ablauf simpel: ankommen, Essen übergeben, ein paar Worte wechseln, wieder fahren.
Doch schon beim Ankommen wird klar, dass dieser Tag anders wird.
Auf dem Gelände der Ziegelbrennerei haben sich alle versammelt. Vom „Meister“ ist nichts zu sehen.
Noch bevor wir aus dem Auto steigen, beginnen die Menschen zu singen.
Auf dem Boden steht in großen Buchstaben „WELCOME“. Ein Weg ist für uns vorbereitet. Während wir ihn entlanggehen, werden Rosenblätter auf uns geworfen.
Ein Moment, der schwer einzuordnen ist.
Plötzlich im Mittelpunkt
Die christliche Gemeinde vor Ort hat diesen Empfang gemeinsam mit unseren Begleitern und deren Vater, einem Pastor, vorbereitet.
Lautsprecher stehen bereit. Ein Mikrofon wird mir in die Hand gedrückt.
Ich stehe plötzlich vor hunderten Menschen.
Ich sage ihnen, dass ich bald zurück nach Deutschland fliegen werde. Weit weg von hier.Aber dass ich ihre Geschichten mitnehme.
Und dass ich sie erzählen werde.
Dann bitten sie mich, für sie zu beten.
Also bete ich.
200 Mahlzeiten
Danach gehen wir zu den großen Töpfen.
Hühnchen mit Reis.
Wir beginnen zu verteilen. Portion für Portion.
Zuerst die Erwachsenen. Dann die Kinder.
Am Ende sind es über 200 Mahlzeiten.
Die Situation kippt
Nachdem alles verteilt ist, verändert sich die Stimmung.
Immer mehr Menschen kommen näher. Wollen uns sehen, uns ansprechen.
Plötzlich werden wir von einem unserer Begleiter zurück ins Auto gedrängt.
Erst später verstehen wir warum:
In solchen Momenten kann niemand kontrollieren, wer sich in der Menge befindet. Auch Menschen, die dem „Meister“ nahestehen, könnten darunter sein.
Für uns hätte die Situation gefährlich werden können.
Eine Einladung, die schwer anzunehmen ist
Nachdem sich alles beruhigt hat, lädt uns eine Familie aus dem Camp zu sich ein.
In einem kleinen Innenhof erwartet uns ein weiteres Bild:
Ein Festmahl.
Für uns.
Wir sind irritiert. Fast beschämt.
Weniger zu haben, ist kaum möglich. Und trotzdem geben sie.
Auf unsere Frage, wie sie das finanziert haben, sagen sie:
Jede Familie im Camp hat etwas dazugegeben.
Wieder die gleiche Dynamik
Wir sitzen.
Sie stehen.
Sie schauen uns beim Essen zu.
Nicht zu essen wäre respektlos.
Also nehmen wir etwas. Obwohl wir wissen, dass es für sie viel ist. Vielleicht zu viel.
Ein Moment, der bleibt
Es ist inzwischen dunkel.
Eine einzelne Lampe beleuchtet den Hof. Das Essen. Die Gesichter.
Und während ich dort sitze, wird mir klar, wie schwer es ist, all das zu verarbeiten.
Zu viele Eindrücke. Zu viele Gegensätze.
Tag 6 zeigt eine Form von Menschlichkeit, die sich nicht erklären lässt.



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