🇵🇰 Tag 5: Die unsichtbaren Arbeiter der Kanalisation
- Patrick Legun

- 6. März
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 21. Apr.
Nach den letzten Tagen in den Ziegelbrennereien wenden wir uns heute einem Thema zu, das selbst in Pakistan oft im Verborgenen bleibt.
Ein Beruf, über den kaum jemand spricht.
Zum Youtube-Video: https://www.youtube.com/watch?v=zH-yDC9QEt4

Ein skeptischer Anfang
Am Morgen treffen wir Shafiq, einen Gewerkschafter der Kanalisationsarbeiter in Lahore.
Er begegnet uns zunächst mit deutlicher Skepsis. Er stellt viele Fragen. Will genau wissen, warum wir über seine Leute berichten möchten.
Rückblickend ist das nachvollziehbar. Er schützt die Menschen, für die er spricht.
Nach einem längeren Gespräch willigt er ein, uns einen Arbeiter begleiten zu lassen.
Ein Leben ohne Wahl
Vorher nutzen wir die Gelegenheit für ein Interview.
Shafiq erzählt von massiver Diskriminierung. Von einem Beruf, der als „unrein“ gilt. Von Krankenhäusern, die verletzte Arbeiter teilweise erst behandeln, nachdem sie gewaschen wurden.
Er spricht auch über seinen eigenen Weg.Als Christ blieb ihm Bildung verwehrt. Und damit jede echte berufliche Alternative.
Ein Satz bleibt besonders hängen:
Er hatte keine Wahl.
Abstieg in eine andere Realität
Später bringt er uns zu einem Arbeiter.
Kurze Hose. T-Shirt. Keine Schutzkleidung. Keine Absicherung.
Der Gullideckel wird geöffnet.
Ein Seil mit einem Eimer wird vorbereitet. Dann beginnt er, hinabzusteigen. Schritt für Schritt. Bis er fast bis zu den Schultern in Fäkalien steht.
Seine Aufgabe: die Verstopfung mit bloßen Händen finden und lösen.
Der gefüllte Eimer wird immer wieder nach oben gezogen.
Ein Job mit permanentem Risiko
Die Gefahren sind offensichtlich.
Giftige Gase können zur Ohnmacht führen.Scharfe Gegenstände können schwere Infektionen auslösen.
Ein einziger Fehler kann tödlich sein.
Und trotzdem ist es für viele Alltag.
Eine Frage, die keine Antwort hat
Ich frage ihn, welchen Job er sich wünschen würde, wenn er frei wählen könnte.
Er schaut mich an.
Zunächst versteht er die Frage nicht.
Beim zweiten Nachfragen sagt er leise, dass er darüber nicht nachdenkt.
Er habe keine Wahl.
Dann formuliert er einen Wunsch:
Seine Kinder sollen das hier nicht machen müssen.Sie sollen Bildung bekommen.
Mehr nicht.
Zwischen Ohnmacht und Verantwortung
Ich stehe daneben und merke, wie sich eine Frage immer stärker aufdrängt:
Wie verändert man etwas in einem System, das so tief verankert ist?In einem Land, das nicht das eigene ist?
Es gibt keinen einfachen Ansatz. Keine schnelle Lösung.
Tag 5 hinterlässt ein Gefühl von Ohnmacht. Und gleichzeitig den Wunsch, genau dort anzusetzen, wo Veränderung möglich ist.



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