🇵🇰 Tag 2: Die Sklavenfamilien der Ziegelbrennereien
- Patrick Legun

- 3. März
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 21. Apr.
Nur wenige Kilometer außerhalb von Lahore verändert sich das Bild. Die dichte Stadt weicht einer kargen Landschaft. Am Horizont ragen die Türme der Ziegelbrennereien auf. Einer neben dem anderen.

Der erste Zugang
Als wir eine der Brennereien erreichen, werden wir zunächst gebeten, im Auto zu bleiben. Unsere lokalen Begleiter sprechen zuerst allein mit dem Eigentümer. Minuten vergehen, die sich deutlich länger anfühlen. Dann ein Handzeichen. Wir dürfen aussteigen.
Vor uns liegen tausende Ziegelsteine, sauber gestapelt, in der Sonne trocknend. Auf den ersten Blick wirkt alles geordnet. Fast unscheinbar. Doch dieser Eindruck hält nicht lange.
Eine Familie im Lehm
Ein paar Schritte weiter sehen wir sie.
Eine Familie arbeitet im Lehm. Vater, Mutter, fünf Kinder. Alle formen Ziegel. Auch das jüngste Kind, gerade einmal vier Jahre alt.
Hier stehen wir zum ersten Mal den Menschen gegenüber, für die wir nach Pakistan gereist sind.
Wie moderne Sklaverei entsteht
Viele dieser Familien sind Christen und gesellschaftlich marginalisiert. Häufig beginnt alles mit einem privaten Kredit. Zum Beispiel, wenn ein Kind krank wird und Geld für Medikamente fehlt.
Der Vertrag wird mit einem Daumenabdruck unterschrieben, weil die Betroffenen ihn als Analphabeten nicht lesen können.
Kurz darauf fordert der Kreditgeber das Geld zurück. Mit Zinsen. Oft ist genau dieser Kreditgeber gleichzeitig Eigentümer der Ziegelfabrik.
Die Schulden können nicht beglichen werden. Also beginnt die Familie, sie „abzuarbeiten“.
Doch in der Realität entsteht ein geschlossenes System:Die Familien dürfen das Gelände nicht verlassen, zahlen Miete für ihre einfachen Unterkünfte und ihre Schulden werden direkt vom ohnehin geringen Lohn abgezogen.
Am Ende bleibt fast nichts übrig.
Leben ohne Ausweg
Die Familie, die wir treffen, muss täglich 1.000 Ziegel produzieren. Sind es 999, gibt es keinen Lohn.
Bei Regen gibt es keine Arbeit.Bei Krankheit kein Einkommen.
Berichte über Gewalt gehören ebenfalls zur Realität. Und Frauen sind zusätzlichen Gefahren ausgesetzt.
Viele Menschen hier wurden bereits in dieses System hineingeboren. Ihre Eltern waren es. Ihre Großeltern auch.
Ein Kreislauf über Generationen hinweg.
Dokumentieren oder wegsehen
Wir beginnen zu filmen. Halten fest, was sonst im Verborgenen bleibt.
Es fühlt sich nicht richtig an, die Kinder dabei zu filmen. Und gleichzeitig wäre Wegsehen genau das, was dieses System unsichtbar hält.
Dieser innere Konflikt bleibt.
Ein klarer Entschluss
Eines wird an diesem Tag sehr deutlich:
Wir werden hier nicht nur dokumentieren.
Mit der humanvoll Hilfsorganisation wollen wir konkrete Schritte gehen. Erste Lösungsansätze existieren bereits.
Tag 2 endet schwerer als Tag 1.


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